Als Diskriminierung sind Äußerungen und Handlungen zu verstehen, die (vermeintliche) Angehörige bestimmter sozialer Gruppen herabsetzen oder benachteiligen. Es ist dabei nicht maßgeblich, ob die Betroffenen tatsächlich dieser Gruppe angehören. Voraus geht vielmehr eine Zuschreibung, mit der eine Person einer Gruppe zugeordnet wird. So sind z.B. Dunkelhäutige von Fremdenfeindlichkeit betroffen, werden also als ‚Ausländer‘ diskriminiert – selbst wenn sie Deutsche sind. Unterscheidungen sozialer Gruppen gehen mit Annahmen über spezifische Eigenschaften der ‚Angehörigen‘ der so unterschiedenen Gruppen einher, diese begründen Benachteiligungen von Individuen. Man kann folgende abwertende Einstellungen unterscheiden:

 

Abwertung von Langzeitarbeitslosen: beruht auf der Unterstellung, dass die von Langzeitarbeitslosigkeit Betroffenen unwillig zum Arbeiten und zum Erbringen von Leistung seien und den Staat bzw. die bundesdeutsche Gemeinschaft willentlich schädigen, indem sie sich auf Kosten des Sozialstaats ausruhen.

 

Abwertung von Menschen mit Behinderung: auch als Ableismus bezeichnet. Einstellung, welche Menschen mit körperlicher, geistiger und/oder seelischer Beeinträchtigung als minderwertig ansieht. Behindertenfeindlichkeit kann sich sehr unterschiedlich äußern, u.a. in der Überbetonung der Behinderung (d.h. betroffene Menschen werden vorrangig als ‚Behinderte‘ wahrgenommen), direkter Feindseligkeit oder in bevormundender Fürsorge, welche Menschen mit Behinderung als Hilfsbedürftige entmündigt. Behindertenfeindlichkeit kann dazu führen, dass Menschen mit Behinderung ins soziale Abseits gedrängt werden bzw. von sozialen Räumen (der Regelschule, Veranstaltungen, Aktivitäten) ausgeschlossen werden.

 

Abwertung von Wohnungslosen: Feindlichkeit ggü. Menschen, die über keinen eigenen Wohnraum verfügen bzw. ohne festen Wohnsitz sind, eventuell sich im Freien aufhalten und schlafen (=Obdachlose). Wohnungslosen werden dafür angefeindet, Normalitätsvorstellungen eines geregelten, bürgerlichen Lebens nicht nachzukommen und damit eine Belastung für ihre soziale Umwelt darzustellen.

 

Altersdiskriminierung: bezeichnet negative Einstellungen gegenüber älteren Menschen bzw. die Stigmatisierung von Alterungsprozessen und Altsein. Altersdiskriminierung findet bspw. auf dem Arbeitsmarkt statt sowie in Diskursen, die alternde Menschen als Belastung für die Gesellschaft darstellen.

 

Antimuslimischer Rassismus: Abwertung von Menschen islamischen Glaubens und Herkunft. Muslimfeindlichkeit begründet sich in einer pauschalisierenden Wahrnehmung, die Muslimen eine bestimmte mit der europäischen Lebensweise unvereinbare Kultur zuschreibt und ‚den Islam‘ als rückständig und gewalttätig charakterisiert. Muslimen wird vorgeworfen, eine ‚Islamisierung‘ der deutschen Gesellschaft zu betreiben und damit die demokratische Gesellschaftsordnung in ihren Grundfesten zu bedrohen. Betroffene von antimuslimischen Ressentiments sind praktizierende Muslime aber auch Menschen, die aufgrund äußerlicher Markierungen (dunkle Haare, ausländisch wirkender Name) als Muslime etikettiert werden.

 

Antisemitismus: Abwertung von Menschen jüdischen Glaubens und Herkunft. Der moderne Antisemitismus stützt sich auf rassistische Motive. Antisemitische Haltungen nähren sich u.a. aus Verschwörungstheorien, die Juden eine besonders große Macht über politische und wirtschaftliche Entwicklungen zuschreiben. Ein häufiger Vorwurf lautet, Juden nutzten den Holocaust bzw. die Erinnerung an diesen für ihre eigenen Zwecke aus (sekundärer Antisemitismus).

 

Antiziganismus: der Abwertung von Sinti und Roma liegen Stereotype von Menschen zugrunde, die kein geregeltes Leben führen, keinen festen Wohnsitz haben, vielmehr arbeitsscheu sind und sich durch Diebstahl und Kleinkriminalität ihren Lebensunterhalt sichern.

 

Feindlichkeit gegenüber Asylsuchenden: beruht auf der Unterstellung, asylsuchende Menschen würden ihre Notlagen nur vortäuschen, um das deutsche Sozialstaatssystem auszunutzen.

 

Fremdenfeindlichkeit: feindselige Haltung gegenüber Ausländern und Menschen, die auf Grund äußerlicher Merkmale für nicht-deutsch gehalten werden. Diese Abwertung ist zumeist rassistisch motiviert und bezieht sich vor allem auf äußerlich – z.B. durch ihre Hautfarbe – markierte Menschen. Fremdenfeindlichkeit kann bedingt sein durch das Gefühl einer Bedrohung durch fremde Kulturen. Eine Rolle spielt zudem eine wahrgenommene Konkurrenz um materielle Ressourcen wie bspw. knappe Arbeitsplätze. Ausländergruppen, die äußerlich unauffällig sind (z.B. Menschen aus Skandinavien), oder Hochqualifizierte sind daher seltener von Fremdenfeindlichkeit betroffen.

 

Heterosexismus: Haltung, welche Heterosexualität als naturgegebene Norm setzt und sexuelle Identitäten und Orientierungen, die vom Mainstream abweichen, als unpassend, krankhaft und unmoralisch abwertet. Heteroseximus äußert sich als Ablehnung bzw. Feindseligkeit gegen homosexuelle, bi- oder transgender Lebensweisen und Menschen.

 

Homophobie: eine Einstellung, die homosexuelle Männer und Frauen abwertet und Homosexualität als Normabweichung sowie als unmoralisches Verhalten betrachtet.

 

Klassismus: Haltung, die Menschen aufgrund ihres ökonomischen, sozialen oder bildungsbezogenen Status abwertet. Betroffene von Klassismus sind z.B. Menschen aus bildungsarmen Herkunftsfamilien, Arbeitslose, Obdachlose oder arme bzw. gering verdienende Menschen. Menschen mit niedrigem sozialem Status werden bestimmte negative Eigenschaften und Verhaltensweisen zugeschrieben. Zu solchen abwertenden Stereotypen zählen bspw. die Anfälligkeit für Drogenmissbrauch, ungesunde Ernährungsgewohnheiten, Vernachlässigung von Kindern, Mangel an Disziplin, Neigungen zu Gewalt etc.

 

Rassismus: Unterscheidung von Menschen auf Grund ihrer Hautfarbe und anderen physiognomischen, aber auch kulturellen Merkmalen (z.B. Sprache oder Religion) sowie Annahme einer unterschiedlichen Wertigkeit dieser Gruppen. Der biologistische Rassismus teilt Menschen in verschiedene ‚Rassen‘ ein und behauptet die Überlegenheit von Menschen weißer Hautfarbe. Der kulturalistische Rassismus begründet die Ungleichwertigkeit von Menschen mit angeblichen Unterschieden der ‚Kulturen‘.

 

Sexismus: Einstellung, welche die Unterschiede zwischen Männern und Frauen stark betont und daraus Rollenvorstellungen ableitet, welche Frauen vorwiegend der häuslichen Sphäre zuordnen und Männern (u.a. physische und kognitive) Überlegenheit zuschreiben. Sexistische Zuschreibungen sind vor allem für Frauen ein Nachteil, schränken aber auch Männer ein, indem sie bestimmte Erwartungen etablieren (bspw. müssen sich ‚richtige Männer‘ als stark und dominant beweisen, während die Übernahme fürsorglicher Tätigkeiten sie in ihrer Männlichkeit in Frage stellt).